Kurzarbeit: Wissenswertes für Arbeitnehmer und ein Rückblick auf die Finanzkrise 2008

Die ersten wirtschaftlichen Auswirkungen des Coronavirus werden spürbar: Büros sind geschlossen, das Auftragsvolumen nimmt stetig ab und laufende beziehungsweise geplante Projekte werden verschoben oder gestrichen. 

Beide Seiten, Arbeitgeber und -nehmer sind verunsichert und stehen vor großen Herausforderungen. Viele Festangestellte wurden bereits in Kurzarbeit geschickt und für viele wird dieses Arbeitsmodell voraussichtlich in naher Zukunft zur Realität. Der Begriff „Kurzarbeit“ war vor dieser Pandemie kaum bekannt. Was genau bedeutet also Kurzarbeit und welche Folgen hat diese für Arbeitnehmer? Wir haben Ihnen in diesem Artikel die wichtigsten Punkte zusammengefasst.

Was bedeutet Kurzarbeit?

Kurzarbeit beschreibt die zeitlich begrenzte Herab- bzw. Aussetzung der Arbeitszeit und gleichzeitig die Kürzung des Arbeitnehmerentgelts. Durch Inanspruchnahme der Kurzarbeit können Unternehmen Konjunkturschwankungen abfedern und wirtschaftlich schwache Zeiten überbrücken. Damit wird der Gefahr eines betrieblichen Stellenabbaus entgegengewirkt. Unternehmen legen in diesem Rahmen die Arbeitszeit fest, dabei kann je nach Nachfrage flexibel hoch- oder herunterreguliert werden. 

Schon in der Finanzkrise 2008 bedienten sich Unternehmen verstärkt diesem Modell. Bereits Ende letzten Jahres rechneten viele Unternehmen mit einer Rezession, analog dazu konnte man bereits dort einen moderaten Anstieg von Kurzarbeitsanträgen beobachten. Aktuell kommen zudem die von der Corona-Pandemie gezeichneten Betriebe hinzu.

Wann kann ein Arbeitgeber Kurzarbeit anmelden?

In Deutschland kann ein Arbeitgeber dann Kurzarbeit anmelden, wenn ein erheblicher Arbeitsausfall mit Entgeltausfall vorliegt. Der Arbeitsausfall muss dabei mindestens 10% der Mitarbeiter betreffen. Wichtig ist hier, es müssen wirtschaftliche Gründe oder unabwendbare Ereignisse vorliegen, welche es dem Mitarbeiter nicht mehr ermöglichen im normalen Umfang seiner Tätigkeit nachzukommen. Dabei müssen auch anderweitige Beschäftigungen ausgeschlossen werden können. Die Anmeldung der Kurzarbeit erfolgt in Deutschland im ersten Schritt auf bis zu zwölf Monate, unter Umständen kann im zweiten Schritt eine Verlängerung um weitere zwölf Monate beantragt werden.

Unternehmen in der Schweiz müssen zwischen zwei wesentlichen Kriterien unterscheiden, um die Kurzarbeit anmelden zu können: Handelt es sich um eine behördliche Maßnahme wie beispielsweise die Abriegelung der Städte, oder erfolgt der Antrag aufgrund wirtschaftlicher Begebenheiten, wie der Nachfragerückgänge aufgrund von Infizierungsängsten? Die Dauer der Kurzarbeitsentschädigung definiert sich dabei wie folgt: Innerhalb von zwei Jahren wird die Kurzarbeitsentschädigung während höchstens zwölf Monaten ausgerichtet. Bei dauerhaft hoher Arbeitslosigkeit kann der Bundesrat die Länge auf 18 Monate verlängern.

Finanzielle Folgen der Kurzarbeit

Das Kurzarbeitergeld in Deutschland orientiert sich an der Höhe des finanziellen Verlusts nach Steuern. Im Regelfall werden rund 60 Prozent des ausgefallenen Nettoentgelts an den Arbeitnehmer ausbezahlt. Familien erhalten ein wenig mehr, so bekommen Eltern um die 67 Prozent des Kurzarbeitergeldes überwiesen. Sie möchten Ihren Anteil berechnen? Auf der Website der Agentur für Arbeit finden Sie eine Tabelle zur genauen Berechnung des Kurzarbeitergeldes.

Schweizer Arbeitnehmer erhalten 80 Prozent ihres durchschnittlichen Bruttoerwerbseinkommens, das vor dem Anspruch auf die Kurzarbeitsentschädigung erzielt wurde. Dabei sind dies pro Tag aber maximal 196 Franken. Für Pendler aus anderen Ländern gelten die gleichen Rechte und Anspruchsvoraussetzungen.

Welche Schlüsse können aus der Finanzkrise 2008 gezogen werden?

Die Finanzkrise 2008, mit Ursprung in Amerika, traf die ganze Welt. Die gleichen Instrumente von damals kommen auch in dieser schweren Zeit der Corona-Pandemie zum Einsatz. Man möchte die Zahlungsströme der Betriebe erhalten, Ziele sind: Liquiditätshilfen, erleichterter und zügiger Zugang zu Kurzarbeitergeld und mehr Investitionen des Staates.

Schon jetzt sagen Wirtschaftsweisen eine noch nie dagewesene Wirtschaftskrise voraus, doch gleichzeitig ist man sich sicher, die Wirtschaft wird sich auch schnell wieder erholen. Ein direkter Vergleich zu 2008 kann also in Bezug auf den Umfang und das Ausmaß zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht gezogen werden. Jedoch ist eines klar, die staatlichen Maßnahmen werden mit gleicher Eile beschlossen und an die Geschwindigkeit von damals kann angeknüpft werden. Die unter dem Coronavirus erweiterten Maßnahmen rund um die Kurzarbeit wurden in Deutschland, Österreich und der Schweiz zügig beschlossen.

Als Grund für die ausgebliebenen Massenentlassungen durch die Finanzkrise in 2008 wird heute die Kurzarbeit genannt. Neben verhinderter Massenarbeitslosigkeit konnte sich die Wirtschaft zudem schnell von dem Schock erholen, dies lag vor allem daran, dass das bestehende Personal beim Aufschwung direkt wieder wie zuvor an selber Stelle eingesetzt werden konnte.  

Sie sind von der Kurzarbeit betroffen? Auf den folgenden Seiten können Sie sich über weiterführende Themen rund um die Kurzarbeit informieren. Wir freuen uns auch, Sie persönlich zu beraten, kontaktieren Sie uns.

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